1946 - 1970

 

Mai 1945. Armeen der Oststaaten rückten unserer Heimat näher. Kriegsschluss. Bulgarische Truppen kamen in unser schönes Sulmtal. In der Nähe vom "Torbauer" in Freidorf rodeten sie ein ebenes Waldstück im Ausmaß von ca. 100 x 80m. Als die Bulgaren wieder abzogen, stellten drei Freidorfer Bauern fest, dass sie mit ihren Waldgrundstücken unfreiwillig zum künftigen Sportplatz beigetragen hatten. Später bauten dann die Tito-Einheiten auf dieser freien Waldfläche ein riesiges Fort in U-Form. Nach acht Wochen war auch dieses Gastspiel vorbei und die Tito-Truppen zogen wieder ab. Die Besitzer der gerodeten Waldgrundstücke entfernten die Holzhütten und so entstand ein freier Waldplatz, mit dem man zuerst nichts anzufangen wusste. Zur gleichen Zeit kehrten nach und nach die überlebenden Söhne unserer Heimat von den verschiedensten Kriegsschauplätzen bzw. aus der Gefangenschaft zurück und suchten mit der Heimat den Kontakt aufzunehmen. Hiezu kam jene Jugend, die die schrecklichen Kriegsjahre und den Zusammenbruch des Dritten Reiches zu Hause erlebte. Da bot sich diese freie Waldfläche direkt an, die  dann von der sportbegeisterten Jugend von St. Peter i.S. mit großem Eifer und in unzähligen Arbeitsstunden mit Krampen und Schaufeln zum Sportplatz ausgebaut wurde. So wurde Sprengstoff organisiert, um die Wurzelstöcke herauszusprengen und die Löcher wurden mit Schlacke gefüllt, sodass der Sportplatz bereits vor der Gründung spielfähig war. Das sogenannte "Waldstadion" war entstanden und sollte den Fußballern bis 1974 als Heimstätte dienen.  

Nach Überwindung vieler Schwierigkeiten und nach besonderem Einsatz einiger Männer, vor allem der Herren Franz Reis und Franz Mörth kam es  am 11. August 1946 im Gasthaus Windhager zur Gründungsversammlung. Die 75 Gründungsmitglieder wählten Franz Mörth zum ersten Obmann. Bei dieser Versammlung wurde beschlossen, sich dem im Aufbau befindlichen Landesverband der Österreichischen. Turn- und Sportunion Steiermark anzuschließen.

 

Wir sind stolz darauf, der größten Sportvereinigung unseres Landes, der Union Steiermark anzugehören, die von 6 Vereinen des Jahres 1946 auf heute 654 Vereine mit über 130.000 Mitgliedern angewachsen ist, und wir sind auch stolz, dass gerade unser Verein, die Sportunion St. Peter i.S. als Gründerverein dieser großen Gemeinschaft angehört.

 

Bei der Gründung gab es neben der Sektion Fußball noch die Sektionen Handball, Leichtathletik, Schilauf, Gymnastik, Tischtennis und Propaganda, sowie eine Theatergruppe.

1949 trat die Sektion Fußball dem St. F. V. bei und spielt seitdem ununterbrochen Meisterschaft und seit 1958 gehört die Sektion Eis- und Stockschießen dem Steirischen Eisschützenverband an.

 

Anfänglich mussten viele, teils heute kurios anmutende Hindernisse überwunden werden. Da St. Peter ja hinter der Demarkationslinie lag, mussten Vereine, wie z.B. Deutschlandsberg und Frauental, zum Fußballspielen um Einreiseerlaubnis ansuchen, die jedoch nicht immer gewährt wurde. Auch war es nichts Besonderes, dass Spieler und Funktionäre mit der Pferdekutsche oder per Fahrrad anreisten.

Aber auch sonstige Aktivitäten stießen auf große Schwierigkeiten. So mussten sowohl für Theateraufführungen und Festveranstaltungen Sondergenehmigungen eingeholt werden, da noch ein allgemeines Tanz und Aufführungsverbot im Lande galt. Der Sportverein verstand aber nicht nur Feste zu feiern, sondern wirkte auch bei Lebensmittel-, Holz-, Kohlen- und Altmaterialsammlungen für die notleidende Stadtbevölkerung eifrig mit. Für Anfänger und Fortgeschrittene wurden Tanzkurse veranstaltet, Schikurse, Schirennen und Motorskijörings organisiert und für die Mitglieder eine eigene Bücherei angelegt.

Besonders zu erwähnen ist die Theaterrunde der Sportunion, die von 1946 bis 1966 über 40 Theaterstücke unter der jeweiligen Leitung von Pfarrer Resch, Direktor Mödlinger und Ing. Ernst Krasser zur Aufführung brachte.

 

Das sportliche Geschehen spezialisierte sich immer mehr auf Fußball und Eisschießen. Die anderen Sektionen wie Schilauf, Tischtennis, Theater machten sich selbständig oder wurden wie Leichtathletik, Gymnastik und Handball aufgelöst.

 

Ende der 50iger und anfangs der 60iger Jahre schlitterte der Sportverein in eine Krise und nur unserem, leider 1995 verstorbenen, langjährigen Sektionsleiter und Präsidenten Rupert Sommer war es zu verdanken, dass sich der Verein in dieser schwierigen Zeit nicht auflöste. Rupert galt nicht nur als das "Fußballerdenkmal" von St. Peter schlechthin, sondern er unterstützte den Verein und seine "Buben" auch immer wieder auf das großzügigste.